Australien I

Darwin bis Alice Springs

14.09. - 16.10.2004, 3391 km

Genau ein Jahr und eine Woche nach unserem Start am 7.9.03 erreichten wir am 14.9.04 Darwin, hier nur kurze Passkontrolle (Frage des Beamten: warum hast du einen pakistanisches Visa im Pass??) und schon standen wir auf australischem Boden. In dem kleinen Flughafen ging es erst einmal zur Touristeninformation und schon wurden wir mit Unmengen Infomaterial über Darwin und Nordaustralien versorgt. Mit einem Taxi ging es zu unserem neuen Zuhause, einem Campingplatz. Zum ersten Mal seit 10 Monaten schlugen wir wieder unser Zelt auf, das angenehme Leben im Hotel hatte nun ein Ende. Aber Zelten ist nicht billig, und mit 11 Euro pro Nacht mussten wir uns ganz langsam an die für uns neuen Preise gewöhnen.

Den Nachmittag verbrachten wir in der Stadt, denn wir wollten zusammen mit Daniel mal wieder richtig einkaufen gehen. Die ungewohnt große Auswahl, aber auch die hohen Preise, gerade für Obst und Gemüse, waren fast schon erschreckend. Es ist schon blöd, dass wir kaum Platz in unseren Aluboxen haben, denn in Australien wird alles in großen Kartons verkauft. 10 Kilo Reis oder 5 Kilo Salz, aber wo sollen wir damit hin? Die 150 Gramm Packung kostet mehr als das Ein kg Paket, und Wein oder Sherry gibt es im 5 Literkarton! Und wenn man für über 30 Dollar einkauft, gibt es bei bestimmten Tankstellen einen Rabatt von 4 Cent pro Liter. Stunden später und um einige Dollars ärmer, aber dafür mit etlichen schweren Plastiktüten beladen brachte uns der Stadtbus wieder zurück zu unserem Zelt.

Der Besuch bei der Transportfirma brachte leider etwas Ernüchterung, hatten wir doch insgeheim gehofft, unsere Bikes noch am Freitag wieder zubekommen, doch da hieß es dann nur: Dienstag! Denn das Schiff war noch nicht entladen und auch der Termin mit dem Zoll und der strengen australischen Qurantaine mussten noch vereinbart werden.

Nicht weit von unserem Campingplatz am Flughafen bestaunten Bernd und Daniel in einem Museum eine B 52, den Langstreckenbomber schlechthin. Es gibt nur 2 Exemplare außerhalb der USA, und da wir ja irgendwie die Zeit totschlagen mussten, bot sich das Fliegermuseum ja an.

Dienstag, pünktlich um 10:30 standen wir dann wieder bei Perkins Shipping vor der Tür, und gegen 11 Uhr ging es dann los. Mit einem Zollbeamten ging es zu unserem Container. Ein Hafenmitarbeiter hatte schon begonnen, unsere Bikes auszuladen und wir schoben sie in eine Halle. Hier warteten schon ein paar Damen und Herren vom Zoll und der Quarantaine, die sich mit Gummihandschuhen bewaffnet, auf unsere Bikes stürzten. Alles wurde begutachtet und untersucht, aber wir hatten ja alles wirklich gut vorbereitet. Etwas misstrauisch wurde sie aber, als sie unsere sterilen Spritzen und Nadeln entdeckte. Bernd erklärte ihnen, dass wir diese mitgenommen haben, falls wir mal in Asien in ein Krankenhaus müssen und oft gibt es da ja keine sterilen Spritzen. Nach dem abschließenden Blick in unsere sauberen und neuen Luftfilter „entließ“ sie uns in die neue Freiheit. Unsere Putzorgie hatte sich gelohnt, unsere Inspektoren waren begeistert!

Alle sind happy!

Genau eine Woche hatten wir auf unsere Motorräder verzichten müssen, eine lange und ungewohnte Zeit, doch jetzt waren wir wieder glücklich! Unser erster Weg führte uns natürlich zum KTM Händler, denn das Motortockern war ja immer noch deutlich hörbar. Am nächsten Tag wollten sie mal reinschauen, ok. Bernd schraubte den Kupplungsdeckel ab und wir konnten keinen wirklichen Schaden feststellen, nur das Lager der Ausgleichswelle hatte etwas Spiel. Doch der Austausch brachte leider nicht den gewünschten Erfolg. Da die Mechaniker nicht einen wirklich interessierten und arbeitseifrigen Eindruck auf uns machten, entschieden wir, es noch einmal zu riskieren und weiter zufahren, bis zum nächsten KTM Händler.

Am 25.9. verabschiedeten wir uns von Daniel, der leider noch mindestens bis zum Montag auf ein paar Ersatzteile warten musste, und rollten auf dem Stuart Highway gen Süden. 1479 km bis Alice Springs, so steht’s es auf dem Schild am Ortsende Darwins. Wow, das sind gewaltige Entfernungen!

Mit 53,5 Meter und 3 Anhängern die längsten Australiens.

Der Stuart Highway ist anfangs noch vierspurig und auch die ersten Roadtrains, die riesigen australischen Lkws, sahen wir hier schon. Mit bis zu vier Anhängern und einer Gesamtlänge von 53,5 Metern sind sie die Könige der Strasse. Wir machten einen Abstecher durch den Litchfield Nationalpark und dabei schmeckten wir auch zum ersten Mal roten Staub, denn eine so genannte Gravelroad (Schotterpiste) brachte uns zu den grauen Termitenhügeln und den Wasserfällen des Parks. Doch da gab es in der Trockenzeit leider nicht viel zu sehen, aufgrund akuten Wassermangels.

Einer der größten Termitenhügel, mehr als 5 Meter hoch.

Aber das tollste Erlebnis für uns war ein Treffen am Straßenrand. Wir machten eine Pause und da kamen drei Chopper angefahren, mit unglaublich viel Gepäck beladen. Der letzte der Gruppe hielt an und auch die anderen beiden gesellten sich wenig später zu uns. David mit seiner Frau Cheryl und ihr Freund Peter sind unterwegs nach England, auf Honda VT 600 und Peter gar auf einer Harley Davidson! Die Harley wiegt reisefertig 500 kg, mit dabei sind auch so „nützliche“ Dinge wir zwei Campingstühle, Campingtisch, einen zweiten Helm (Peter: man weiß ja nie, welches hübsche Mädchen mir in Thailand über den Weg läuft...), eine kleine und eine große Axt und vieles andere mehr. Wir schwatzten fast zwei Stunden und hatten viel Spaß, und Cheryl gab uns sofort die Adressen ihrer Kinder, da können wir dann umsonst übernachten! Im Gegenzug luden wir sie zu uns nach Hause ein, und wir sind jetzt schon gespannt, welches Aufsehen sie in unserem kleinen Dorf erregen werden.

Zurück auf dem Stuart Highway gab es nicht viel zu sehen, Heidi zählte die toten Kängurus am Straßenrand, jedes Auto wurde gegrüßt, denn der Verkehr ist sehr gering. Man kann bis zum Horizont und zurück sehen, doch die Landschaft ändert sich nicht.......nach dem bunten, pulsierenden Asien war das schon fast langweilig.......

Aber alle paar 100 km gibt es Roadhäuser, Tankstelle und Pub, meist mit einem kleinen Supermarkt. Hier gibt es alles, aber zu extrem hohen Preisen, eine Tomate kostet 1 austr. Dollar, das sind 60 Eurocent und das Toastbrot gar 5 Dollar!! Da sind wir froh, das wir immer Reis und Nudeln in unseren Vorräten haben. Und wir denken gern zurück an unsere schöne Zeit in Asien, da konnten wir es uns noch leisten, essen zu gehen.

Unsere erste Nacht verbrachten wir hinter der Tankstelle von Adelaide River, einem kleinen Kaff am Stuart Highway. Die Frau an der Rezeption, gleichzeitig Tankstelle und Supermarkt, sagte uns, dass heute Abend Karaoke sei, und wenn wir Lust hätten, sollten wir vorbeischauen. Karaoke, ausgerechnet Karaoke!!! Als ob wir nicht genug davon hatten in den letzten Monaten! Pünktlich um 18:30 Uhr ging es dann los, und es war sicher das Ereignis der Woche. Jedermann und auch -frau versuchten sich stimmgewaltig in Szene zu setzen, das war auf alle Fälle doch etwas anderes wie in Asien, und da wir eigentlich auch fast alle Lieder kannten, fanden wir es gar nicht so schlecht......

Katherine war dann die erste nennenswerte Ansiedlung nach Darwin, aber uns kam es auch nur vor wie ein kleines Dorf. Wir versorgten uns mit den nötigsten Lebensmitteln und weiter ging’s in Richtung Süden. Für unsere erste „freie Nacht“, suchten wir uns direkt am Highway Nr. 1 einen Rastplatz mit Wassertank aus. Kaum saßen wir auf der Bank, hielt ein Campingbus an und ein deutsches Paar gesellte sich zu uns. Markus und Petra waren auch ganz froh, die Nacht nicht allein verbringen zu müssen und bei Reis, Thunfisch, Tomatensalat und Rotwein hatten wir einen lustigen Abend und tauschten Reiseerinnerungen über Indien aus.

In Daly Waters, dem Pub mit der ältesten Alkoholausschank Genehmigung in Nordaustralien, pinnten wir, so wie viele andere auch, unsere Visitenkarte an die Wand und weiter ging es auf dem ewig langen Asphaltband des Stuart Highway. An den Devil Marbles, den Teufelskugeln, wollten wir eine Nacht verbringen, doch der Campingplatz bot zwar Toiletten (Plumpsklos), aber leider keinen Wassertank. Und da wir einem sehr, sehr durstigen Radfahrer gute zwei Liter unseres Vorrates gegeben hatten, reichte es leider nicht mehr für uns. Der arme Kerl hatte nur noch einen kleinen schluck Wasser und die nächste Wasserstelle war fast 100 km entfernt......

Teufelskugeln, oder auch Devil Marbles.

Alice Springs, die Metropole des „Roten Zentrums“ erreichten wir am anderen Tag, klar, dass uns unser erster Weg wieder zum KTM Händler führte, soll es doch der beste weit und breit sein. Und tatsächlich, einmal kurz hingehört und auch er meinte, das es nicht gut klang. Am nächsten Tag sollten wir das Bike vorbei bringen und dann wollen sie mal „rein sehen“. Bernd schraubte alles, was im Weg war ab und der Mechaniker sagte, wir sollen ein paar Stunden später wieder vorbei schauen.

Da gab es dann schlechte Neuigkeiten, aber wir hatten es erwartet. Das untere Pleuellager hatte seinen Geist nach über 84.000 km aufgegeben und musste dringend getauscht werden. „Noch 100 km mehr, und es wäre auseinander geflogen...“ meinte er, also echt Glück gehabt. Das war die „gute“ Nachricht, die schlechte war, das die Reparatur ca. 2700 austr. Dollar kosten wird.........

Kein Motor mehr da!

Wir nutzten die Zeit des Wartens (auf die Ersatzteile) und besuchten die „School of the Air“, das größte Klassenzimmer der Welt, die hier in Alice Springs vor 53 Jahren entstand. Die über 120 Kinder auf den entlegenen Farmen und Außenposten der Polizei, oder den weitab gelegenen Siedlungen werden per Funk unterrichtet. Auf einer Fläche von 1,3 Mio. qkm und bis zu 1274 km weit entfernt reicht der „Klassenraum“, unvorstellbar groß für uns. Aber umso erstaunlicher ist, dass sich die Kinder mit ihren Leistungen vor ihren Klassenkameraden in den Städten nicht verstecken müssen. Den Kids auf den Farmen geht es ähnlich wie den Kindern in Deutschland, auch sie werden zum Briefkasten geschickt. Aber, der Briefkasten befindet sich dann nicht selten in über 100 Km Entfernung!! So fahren sie mit dem Motorrad oder Quad halt nach der Schule mal eben schnell die Post abholen......

Natürlich schauten wir uns auch die fliegenden Ärzte an, die in einem Umkreis von 600 km alle versorgen, die Hilfe benötigen. In dem Gebiet leben 90 % Aborigines und nur 10 % weiße Australier. Die Fliegenden Ärzte sind auf Spenden und Unterstützungen angewiesen und so gaben auch wir einen kleinen Beitrag dazu, hoffen aber dennoch, niemals ihre Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen.

Hier lernten wir auch Kaihan und Bianca kennen, doch die beiden hatten leider viel Pech auf ihrem Weg nach Darwin, ein kapitaler Kardanschaden bereitete dem Urlaub ein frühes Ende.

Gut aufgepackt haben Kaihan und Bianca.

Nach eineinhalb Wochen war es dann endlich soweit. Die Ersatzteile hatten den Weg nach Alice Springs gefunden, ein Feiertag in West Australien war auch noch dabei, und wir kannten mittlerweile die halbe Stadt....

Der Motor klang wieder gesund und wir machten uns auf eine Probefahrt. Wohin? Klar, zum Uluru (Touristen nenne ihn auch Ayers Rock), dem Roten Berg in der Mitte Down Under’s. Hinter Glen Helen begann eine rote Sandstrasse und das Abenteuer. Nach einer einsamen Nacht im Busch wurden wir morgens von dem hopsenden Geräusch der Kängurus geweckt!! Kaum rollten wir wieder auf der Schotterpiste, kreuzten wilde Kamele unseren Weg. Nur ein Emu fehlte noch.....die Piste wurde sandiger und in einer Rechtskurve kam Heidi zu weit in den weichen, tückischen Sand und legte ihre KTM ab. Aber Glück gehabt, nix passiert!

Bernd in der Felslandschaft des Kings Canyon.

Am Kings Canyon hatte uns der Asphalt wieder und am anderen Morgen machten wir uns auf, um einmal den Canyon zu umwandern. Die tollen Ausblicke wurden nur durch die Anwesendheit der Millionen Fliegen gestört, die es anscheinend überall in Australien gibt... pünktlich vor der großen Mittagshitze saßen wir wieder im Sattel unsere Bikes und auf ging’s zum Uluru. 350 km zeigte das Schild am Straßenrand, mittlerweile haben wir uns an diese Entfernungen schon fast gewöhnt. Die Landschaft änderte sich kaum, nur Gras oder niedriges Buschwerk wächst am Wegesrand. In Yulara, dem einzigen Campingplatz, zahlten wir 26 Dollar pro Nacht – Wildcampen wird mit 5000 Dollar bestraft! Bei der Anmeldung wurden uns auch die aktuellen Sonnenauf- und Untergangszeiten gesagt, damit man es ja nicht verschläft.... Eine Stunde vor Sonnenuntergang standen dann auch wir bereit, aber eine Wolkenschicht verdeckte die Sonne.....also nix mit einem in der Abendsonne leuchtenden Uluru.

Um 6 Uhr klingelte unser Wecker, denn wir wollten den heiligen Berg der Aborigines, den Uluru, zu Fuß umrunden. Wir staunten aber erst einmal darüber, dass so viele Touristen den Berg bestiegen, wir respektierten den Wunsch der Aborigines und bestaunten ihn nur. Das war nicht nur weniger anstrengend, es gab auch viele schöne Blicke in die versteckten Nischen des roten Berges. 8,5 km und zwei Stunden später brannte die Sonne schon wieder erbarmungslos, und wir ruhten uns im Schatten der wenigen Bäume am Parkplatz aus. Die 40 km entfernten Olgas wollten wir auch „erwandern“, doch die Mittagshitze hielt uns erfolgreich davon ab. Nach einer Abkühlpause im Pool standen wir, so wie hunderte andere auch, dann wieder am Sonnenuntergangsparkplatz. Keine Wolke verdeckte die Sonne und langsam „verglühte“ der Ayers Rock am Abendhimmel.

Uluru, der heilige Berg der Aborigines.

Wieder zurück in Alice Springs fieberten wir einem ganz besonderen Ereignis entgegen. Da wir schon vor dem Beginn unserer Reise guten Kontakt zu unserem „Reisepfarrer“ Hentrich aus Küllstedt hatten, wussten wir natürlich auch, das er mit einer eichsfelder Reisegruppe für drei Wochen Australien unsicher machen wollte. Klar, dass wir uns das Treffen nicht entgehen lassen wollten! Und so standen wir am 14.10. am Flughafen in Alice Springs, hielten unsere eichsfelder Fahne hoch und begrüßten die 38 Urlauber. Ein großes Hallo und Händeschütteln begann und wir mussten auch schon für einige Fotos herhalten. Wir verabredeten uns für den Abend und so wurde natürlich lange erzählt und wir beantworteten gerne die viele Fragen. Tags darauf fanden wir uns in einem großen weißen Reisebus wieder, denn Pfarrer Hentrich hatte uns eingeladen, bei der Stadtrundfahrt in Alice Springs dabei zu sein. Obwohl wir ja schon alles kannten, war es doch recht lustig und interessant, denn wir lernten noch etwas Neues kennen: „Und rechts seht ihr die amerikanische Botschaft! Mc Donalds!!“ oder aber der „japanische Stopp“, was ist ein japanischer Stopp?? Schnell raus, knips knips, und weiter geht’s......

Unser „Reise“ Pfarrer Hentrich.

Der Abend wurde wieder sehr lustig, aber viel zu schnell verging die Zeit, und es hieß schon wieder Abschied nehmen. Bei unserer Reisegruppe stand am nächsten Tag der Ayers Rock auf dem Programm, für uns ging es wieder raus, raus aus der Stadt und ab in das Outback, die endlose Buschlandschaft.

Unsere Eichsfelder.

Am 16.10. standen wir um 5 Uhr auf, denn wir mussten unseren ganzen Kram wieder an Ort und Stelle verstauen, und wir wollten unseren Eichsfeldern ja noch einmal „auf Wiedersehen“ sagen. Buchstäblich in letzter Minute standen wir dann am Hotel und wünschten ihnen eine gute Reise und wir winkten ihnen ein letztes Mal zu. Nach über einem Jahr fernab der Heimat hatten wir uns riesig gefreut, mal wieder ein paar Landsleute getroffen zu haben, und dann auch noch mitten im roten Zentrum des 5. Kontinents. Vielen Dank auch auf diesem Weg noch einmal bei denen, die uns etwas von zu Hause mitgebracht hatten und auch wieder etwas von uns mitgenommen haben. Danke schön!!

Und kein Ende in Sicht......

Wenig später waren wir wieder in der Einsamkeit des Outbacks, das endlose Asphaltband des Stuart Highway’s hatte uns wieder.

zurück nach Ost Timor

 

weiter nach Australien II